Trinkschokolade – ursprünglicher Schokoladengenuss

Vor etlichen Jahren waren wir mit einem Teil der Familie in Dänemark, an der Nordseeküste im südlichen Jütland. Wunderschön, direkt am Meer hinter der großen Düne. Nachts hörten wir das Rauschen der Wellen…

Manchmal rauschten Sie ziemlich heftig, obwohl es Hochsommer war. Bisweilen blies ein kalter, schneidender Wind und besonders unserem Jüngsten taten die Beine weh, weil sie von Sandkörnern, die der Wind vor sich her trieb, nahezu abgeschmirgelt wurden. Wenn es dann noch zu regnen anfing, hatten wir trotz aller Liebe zum Strand doch das dringende Bedürfnis nach der Wärme und Geborgenheit unseres Ferienhauses. Dann saßen wir alle um den großen Tisch, fünf Erwachsene und drei Kinder, mit roten Wangen und strahlenden Augen, vor uns eine Tasse Kakao. Warm, süß, duftend, mit einem Hauch von Zimt, Nelken und Koriander.

Schokolade als Getränk – so fing es an vor rund 3.000 Jahren. Wenn Sie die Geschichte der Schokolade kennen, wissen Sie das natürlich längst. Wenn nicht, können Sie hier noch einmal nachlesen. Und so blieb es für eine lange, lange Zeit. Am Anfang aber ohne Milch und Zucker. Denn das aztekische Wort für Schokolade, Xocoatl, leitet sich ab von xococ für „herb, sauer“ oder auch „würzig“ – und atl, das bedeutet „Wasser“.

Von den Olmeken, die vermutlich als erste Schokolade getrunken haben, ist leider nur wenig überliefert. Bei den Maya, die um 300 n Chr. die Hochkultur der Olmeken ablösten, wurde die Schokolade warm getrunken, bei den Azteken (ab ca. 1200 n. Chr.) dagegen kalt. Sie bestand meist aus dem Pulver der gerösteten Kakaobohnen, Wasser, Gewürzen wie Vanille, Zimt, Chili, Piment, eventuell Anatosamen und getrockneten Blüten. Ganz wichtig war jedoch der Schaum, den scheinen die Maya besonders geliebt zu haben. Er entstand entweder durch Aufschlagen mit einer Art Holzquirl oder dadurch, dass der Kakao aus großer Höhe immer wieder von einem Gefäß in ein anderes gegossen wurde. Die Azteken fügten ihrem kalten Kakao-Wasser neben den anderen Gewürzen zum Teil auch Honig zu.

Mit Zucker gesüßt wurde erst viel später. Anfangs tranken die Spanier den Kakao noch so, wie ihn Hernán (Hernando) Cortéz bei den Azteken kennen gelernt und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts – vermutlich – nach Spanien gebracht hatte. Wie die meisten Europäer liebten aber auch die Spanier Süßes, sie begannen, Zucker oder Honig dazu zu geben, auch noch weitere Gewürze, und so begann im Laufe der nächsten Jahrzehnte erst der eigentliche Siegeszug der Trinkschokolade durch Europa.

Ein Begleiter von Hernán Cortéz beobachtete eine Frau in Honduras, wie sie Schokolade zubereitete:

Sie röstet die Bohnen zuerst in einem irdenen Topf. Wenn die Kerne dann aus der Haut gesprungen sind, werden sie auf einer steinernen Platte mit einer Walze zerrieben, die sie allhier metatl heißen. Das macht sie ein Mal oder auch zwei, bis es Pulver ist, das sie dann mit Mehl vom Mais mischt und ein wenig Wasser aus einem Krug, das dann einen festen Brei macht. Der wird über dem Feuer erhitzt, bis er zu Schaum wird. Wenn es aber zu viel Wasser ist, schäumt es nicht. Wenn der Brei aber gut schäumt, gibt sie vaynella (Vanille) dazu, auch Honig von den wilden Bienen im Wald und auch Rosenwasser. Er wird immer in neue Töpfe getan und wieder geschlagen, auch durch ein Tuch geseiht, bis er ganz dick ist. Dann schöpft sie den Schaum ab und schlägt ihn mit einem Quirlstock. Sie, die die wahre Zubereitung kennt, macht die chocoatl so gut, dass die Senhores sie nur essen können, wenn sie den Mund ganz weit öffnen, es schmilzt dann im Mund und geht nur langsam über die Zunge hinunter in den Magen. Das gemeine Volk und die Soldaten machen dicke Kuchen aus chocoatl mit Mais und rotem Pfeffer (chilli). Das ist sehr nahrhaft und läßt sich viele Monde aufheben.“

Alte Rezepte für Trinkschokolade

Das berühmteste Schokoladenrezept war im 17. Jahrhundert in Italien eine „Jasminschokolade“. Der Erfinder dieser Schokoladenspezialität war Francesco Redi (1626- 1697). Er war Dichter, Biologe und seit 1670 Leibarzt von Cosimo III. de`Medici (1642 – 1743). Erst nach seinem Tode gelangte das Rezept an die Öffentlichkeit. Zeit seines Lebens verriet er es niemanden.

Hier das Rezept:
4,5 kg geröstete Kakaobohnen, gesäubert und grob zerkleinert
Frische Jasminblüten
3,6 kg weißer Zucker, gut getrocknet
85 g vollkommene Vanilleschoten
115-170 g vollkommener Zimt
2 Skrupel (2,5g) Ambra

Zubereitung: In einer Kiste oder einem ähnlichen Behälter abwechselnd Jasmin und gerösteten Kakao übereinander schichten und 24 Stunden stehen lassen. Dann alles vermischen, noch mehr Schichten der Blüten und des Kakaos hinzufügen, worauf das gleiche Verfahren folgt. Dies muß zehn- oder zwölfmal wiederholt werden, damit der Kakao von dem Duft des Jasmins durchdrungen wird. Als nächstes nehme man die übrigen Zutaten und füge sie zu dem Kakao- und Jasmingemisch hinzu und mahle sie zusammen auf einem leicht erwärmten metate-Stein *); wenn der metate zu heiß ist, könnte der Duft verloren gehen.
(Rezept aus “Die wahre Geschichte der Schokolade.”, S. D. Coe.)

Diese Paste wurde mit Wasser erhitzt. Ob sie anschließend noch mit einem hölzernen Quirl schaumig geschlagen wurde, konnte ich nicht sicher feststellen.

Noch ein Rezept aus dem 17. Jahrhundert – vermutlich 1692 – von einem Herrn namens St. Disdier:

900 g vorbereiteter Kakao
450 g feiner Zucker
3 Drachmen (9 g) Zimt
1 skrupel (7 g) indianischer Pfeffer (Chili)
5 Skrupel (35 g) Vanille

Man zermahle die gerösteten Kakaokerne zusammen mit dem Zucker auf einem erwärmten metate-Stein und rühre dann die Gewürze unter die Masse. Diese Masse wurde dann getrocknet zu Blöcken oder in Tablettenform. Um das Getränk in seiner chocolatière zuzubereiten, bringe man 140 bis 205 ml Wasser mit 35 g Zucker zum Kochen (je größer die Hitze, desto besser), gebe dann die zerbrochene Schokoladentablette hinzu und verquirle das Ganze. Der Schaum wird noch besser, wenn man das Gemisch nach dem Aufkochen sieden lässt.

Trinkschokolade heute

Zum Kinder-Frühstücksgetränk wurde Kakao, als das Instant-Kakaopulver erfunden wurde. In Deutschland war das vermutlich Ludwig Roselius, der Inhaber der Firma Kaffee HAG in Bremen. Er brachte dieses Produkt 1929 auf den Markt unter dem Namen Kaba (Kakao- und Bananenpulver).

Für mich hat das mit Trinkschokolade allerdings nicht mehr viel zu tun. Kakaopulver ist da nur noch sehr wenig drin, dafür sehr viel Zucker und Aromastoffe… brrr…

Genau genommen müssen wir zwei verschiedene Arten unterscheiden: heißen Kakao und heiße Schokolade. Das eine wird, wie auch der Name schon sagt, aus Kakaopulver gemacht und das andere aus Schokolade. Dazu gibt es inzwischen jede Menge an Spezialprodukten, zum Beispiel Schokolade am Stiel, und besondere Tafelschokolade zum Herstellen von Trinkschokolade. Sie können dafür aber auch “normale” Tafelschokolade nehmen.

Ganz puristisch können Sie natürlich auch Kakaobohnen kaufen und mahlen oder auf einem Stein reiben. Ist vielleicht mal ganz interessant, das auszuprobieren, aber mir reicht als Ausgangsbasis ein sehr gutes Kakaopulver oder eine richtig gute Schokolade. Ich nehme am liebsten entweder einen guten Bio-Kakao oder – wenn der Kakao mal wieder alle ist – eine 70 %-ige Bio-Schokolade. (Bio und Fair Trade – warum mir das besonders wichtig ist, erzähle ich Ihnen demnächst in einem anderen Artikel.)

Mein Rezept ist ganz einfach:

250 ml Milch auf ca. 80° C erhitzen, das ist heiß genug.

1 EL Kakaopulver erst mit wenig heißer Milch verrühren, dann die restliche Milch dazu geben. NICHT kochen! Die gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe des Kakaos gehen beim Kochen größtenteils verloren.

Dann je nach Geschmack Zimt, Nelken, Kardamom, abgeriebene Orangenschale, Pfeffer oder Chili, zum Süßen Honig oder Ahornsirup, Stevia, Vollrohrzucker oder was immer Sie mögen. (Aber nie, gar niemals nie nicht, nehme ich weißen, also raffinierten, Zucker.) Dann schlagen Sie das Ganze etwas auf.

Sie können natürlich auch noch mit ein wenig Alkohol „würzen“. Dazu passt brauner oder weißer Rum, Whiskey, Cognac oder Brandy. Amaretto oder Baileys geht geschmacklich auch, aber da ist dann eben wieder Zucker drin… Experimentieren Sie einfach mal ein bisschen.

Im Sommer können Sie den Kakao natürlich auch abkühlen lassen – aber bitte immer wieder umrühren, sonst bildet sich eine Haut – und dann mit einer oder auch zwei Kugeln Vanilleeis genießen.

Viel Spaß. Ich mache mir jetzt einen heißen Kakao – aber ohne Alohol ;-)

Stop, bevor ich es vergesse – erst noch ganz schnell ein Buchtipp:

Bildquelle: © Printemps – Fotolia.com

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7 Antworten auf Trinkschokolade – ursprünglicher Schokoladengenuss

  1. Marcel Prenz sagt:

    Hallo liebe Jutta,

    Wie du siehst bin ich ein Wiederholungstäter auf deinem Blog:-) Zu deinen Artikel ich persönlich liebe Kakao in allen Formen sei er kalt oder warm ich liebe es einfach. Ich werde dein Rezept probieren und gebe dir dann gerne ein Feedback. Meine Wahl würde aber immer auf eine heiße Schokolade fallen weil dort der Geschmack viel besser ist als bei diesen Fertigzeugs:-) Ich behalte dich im Auge und freue mich auf deinen Artikel über Bio

    Liebe Grüße Marcel

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    • Jutta Schumacher sagt:

      Hallo Marcel,

      schön, hier mal wieder etwas von Dir zu lesen, schließlich schätze ich Dich sehr als kompetenten Genießer ;-) .

      Du hast natürlich vollkommen Recht, diese Kakao-Getränkepulver sollte man sich im Allgemeinen besser ersparen. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, bestehen Sie aus sehr viel Zucker, Aroma- und sonstigen Zusatzstoffen und recht wenig Kakaopulver. Deshalb bevorzuge ich reines Kakaopulver, ohne jegliche Zusätze, also auch ohne Zucker. Das gibt es auch aus verschiedenen Kakaosorten, wie zum Beispiel 100 % Criollo (guck mal bei Beckscocoa) oder Arriba, oder es ist das jeweilige Anbauland darauf vermerkt. Also sehr gute Qualität ist da durchaus zu bekommen, rein aus gemahlenen Kakaobohnen bestehend… Meist kaufe ich ein fair gehandeltes Bio-Produkt aus Bohnen, die aus der Karibik und dem Amazonasgebiet stammen.

      Vielleicht hast Du ja noch einen weiteren Rezeptvorschlag – immer gern her damit ;-) .

      Liebe Grüße
      Jutta

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  2. Hallo Jutta,

    wieder so ein toller Artikel und dann noch einer der Lust macht, obwohl ich gestehen muss, dass ich schon länger keinen Kakao mehr getrunken habe. Aber immer wenn ich in Österreich bin und mich in ein Cafe setze bestelle ich mir Kakao – schon wegen des Schlagobers – oder wie die das nennen

    Und führe mich nicht in Versuchung, der Sommer naht … ;-)

    Lieben Gruß
    Marion

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    • Jutta Schumacher sagt:

      Liebe Marion,

      Menschen mit Schokolade in Versuchung führen – das tu ich leidenschaftlich gern. Und ein Tässchen in Ehren…. Muss ja nicht gleich eine ganze Kanne sein ;-) . Dann kann der Sommer ruhig trotzdem kommen. Die wahren Übeltäter sind der Zucker und das Fett, weniger der Kakao…

      Liebe Grüße
      Jutta

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  3. Hammi sagt:

    Ich bin immer wieder erstaunt, dass 90% der Schokoprodukte entweder Tafeln oder Eis sind. Dabei ist Trinkschokolade sowas geiles (:

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  4. Hallo Jutta!
    Ein wirklich sehr informativer Artikel, wie Deine anderen auch! Ich persönlich trinke in den Herbst- und Wintermonaten gerne eine Tasse heiße Schokolade am Abend. Irgendwie tut das einfach der Seele gut. Ich verwende dazu eine 80%ige geraspelte Schokolade eines französischen Schokoladenherstellers. Meist gebe ich noch etwas braunen Zucker hinzu. Kakaopulver oder Instantkakaopulver sind hingegen nicht so mein Ding.
    Liebe Grüße!
    Andreas

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  5. Hallo Jutta,

    danke Dir für den Beitrag. Da kommt mir doch ganz spontan der Film-Klassiker “Chocolat” in den Sinn.

    Schokolade ist doch wirklich etwas Herrliches. Und spannend auch ihre positive Wirkung auf unseren Gemütszustand und damit die Seele.

    Es regnet gerade – ich glaube das nehme ich mal als Anlass für eine heiße Schokolade :)

    Liebe Grüße,

    Torsten

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