Der Alltag des Forum Nachhaltiger Kakao: Fortschritte bei CCE und Best Practice

Als im Juni 2012 das Forum Nachhaltiger Kakao gegründet wurde, war ich sehr gespannt, wie sich das wohl entwickeln würde. Was ich danach an Informationen gefunden habe, war jedoch ziemlich spärlich. Deshalb habe ich Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut e.V., den Sie vielleicht noch von diesem Artikel kennen und der in die Arbeit des Forums involviert ist, gebeten, darüber zu berichten, was dort seither geschehen ist. Er war so freundlich, trotz seiner knappen Zeit den folgenden Artikel zu schreiben:

Friedel Hütz-Adams

Derzeit gibt es eine Vielzahl von Initiativen einzelner Unternehmen, die Kakaobauern und -bäuerinnen weiterbilden und versuchen, deren Situation zu verbessern. Einige der großen Schokoladenhersteller haben darüber hinaus zugesagt, bis zum Jahr 2020 nur noch Kakao aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. Entstanden ist allerdings ein Wildwuchs, über den kaum noch jemand einen Überblick hat: Viele Projekte arbeiten nebeneinander her, ohne voneinander zu lernen. Manche Fortschritte wären schneller zu erzielen, wenn erfolgreiche Elemente von Projekten miteinander kombiniert würden.

Um den Austausch zu erleichtern und voneinander zu lernen, wurde in Deutschland im Sommer 2012 das “Forum Nachhaltiger Kakao” gegründet. Mittlerweile sind rund 80 Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette sowie die Politik, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen mit dabei. Regierungen der Anbauländer sollen ebenfalls einbezogen werden. Die Arbeit steckt noch in den Anfängen und es ist zu hoffen, dass das Forum erfolgreich arbeitet. Ein erster wichtiger Erfolg wurde bereits erzielt, auch wenn er Außenstehenden oft banal erscheinen mag: Das Programm “Certification Capacity Enhancement“ (CCE), das im Februar 2013 aufgrund mangelnder Finanzierung auslaufen sollte, existiert weiter. (Anm.: Durch das CCE wird die nachhaltige Produktion von Kakao aus kleinbäuerlicher Produktion in Westafrika gefördert.)

Entstanden ist das Projekt aus einem gemeinsamen Ansatz von Unternehmen der Kakao- und Schokoladenindustrie, Fairtrade, UTZ Certified, Rainforest Alliance und der GIZ, finanziert wurde es vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

In enger Kooperation zwischen standardsetzenden Organisationen, Unternehmen und der Entwicklungszusammenarbeit wurde ein Trainingsprogramm für AusbilderInnen entwickelt, die KakaoproduzentInnen bessere Anbaumethoden vermitteln sollen: Idealerweise erhalten die Bauern und Bäuerinnen über ein Jahr verteilt etliche Kurse und Unterweisungen, um ihnen zu vermitteln, welche sozialen Standards sie einhalten müssen und wie sie ihre Produktivität verbessern können. Doch ihre AusbilderInnen müssen über ausreichende Kenntnisse verfügen, um die notwendigen Schritte hin zu einer Verbesserung der Situation der ProduzentInnen vermitteln zu können.

Lange Zeit haben die drei standardsetzenden Organisationen sowie Unternehmen aus der Industrie nach unterschiedlichen Kriterien AusbilderInnen ausgesucht und weitergebildet. Mit dem Kurrikulum, das im Rahmen des CCE erarbeitet wurde, gibt es nun einheitliche Standards für die Ausbildung. Es wurden umfassende Trainingsvorgaben für die Côte d’Ivoire, Ghana und Nigeria arbeitet. Die Regierung der Côte d’Ivoire überlegt derzeit, das Kurrikulum als Muster für die gesamte staatliche geführte Ausbildung von AusbilderInnen zu übernehmen.

Ein weiterer eher banal erscheinender Fortschritt im Rahmen des Forums Nachhaltiger Kakao ist die Erarbeitung von Kriterien, wie Projekte bewertet werden sollen. Diese Best Practice-Kriterien umfassen nicht nur Schritte hin zu einer höheren Produktivität der ProduzentInnen, sondern auch Diversifizierung, Biodiversität und weitere Umweltschutzkriterien. Darüber hinaus wird festgehalten, dass ein Projekt nur dann vorbildhaft sein kann, wenn es auch unabhängig evaluiert wird. Dies soll helfen, positive Ansätze in Projekten zu identifizieren, damit im nächsten Projekt davon gelernt werden kann.

Bislang gelten die Kriterien nur für die Projekte, die das Forum Nachhaltiger Kakao selbst aufbauen will. Letztendlich muss es aber das Ziel sein, dass zu allen Projekten, die von Unternehmen oder auch von Nichtregierungsorganisationen und standardsetzenden Organisationen betrieben werden, Daten darüber vorliegen, ob den ProduzentInnen tatsächlich geholfen wird.

Diese grundsätzlichen Dinge – sowohl CCE als auch Best Practice-Kriterien – sind meiner Ansicht nach weit wichtiger, als ein weiteres Projekt in Anbaugebieten zu eröffnen. Davon gibt es bereits viele, doch nicht alle sind erfolgversprechend. Und dies muss sich ändern!

Ganz herzlichen Dank, lieber Friedel Hütz-Adams, für diese Informationen. Und ich freue mich, dass das Forum Nachhaltiger Kakao auf einem guten Weg ist, Fortschritte zu erzielen, die für die Kakaobauern und -bäuerinnen auch wirklich wichtig und sinnvoll sind.

Und damit Sie, meine Leserinnen und Leser, künftig ganz einfach an Infos über die Arbeit des Forums Nachhaltiger Kakao kommen – das Forum hat jetzt auch eine Website: http://www.kakaoforum.de/de/startseite.html

Bildquellen:
©-Nicolas-PAULIN-Fotolia.com
Friedel Hütz-Adams (privat)
Website Forum Nachhaltiger Kakao

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2 Antworten auf Der Alltag des Forum Nachhaltiger Kakao: Fortschritte bei CCE und Best Practice

  1. Hallo,

    vielen Dank für diesen wertvollen und informativen Artikel.

    Ich finde es immens wichtig, dass die Menschen in solch Richtung sich bemühen – mehr Respekt untereinander und der Natur gegenüber.

    Beste Grüße.

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    • So ist es, lieber Torsten, das ist auch mein Anliegen. Einerseits genießen, andererseits aber auch die Verantwortung übernehmen für das eigene Tun und dafür sorgen, dass dadurch nicht anderen Menschen oder der Umwelt, wo auch immer auf der Erde, Schaden zugefügt wird. Statt dessen zusammenarbeiten und sich gegenseitig fördern.

      Liebe Grüße
      Jutta

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